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Felix Kröcher – Die Abenteuer der Nacht

Gestartet hat der gebürtige Frankfurter seine Karriere bereits vor über zwei Jahrzehnten. In dieser Zeit ist der Hesse zweifelsfrei zu einem der etabliertesten Akteure im Techno-Geschäft avanciert, spielt Jahr für Jahr über 100 Shows auf Bühnen wie SonneMondSterne, Parookaville, NatureOne, Electric Love und mehr. Doch nicht nur als DJ sowie Produzent ist er in der Szene aktiv, seit 2001 ist Felix Kröcher auch beim Radiosender Sunshine Live tätig, wo er traditionell im Wochentakt seine eigene Sendung hostet. Zusätzlich zu den Abertausend Zuhörern dort wird die Sendung auf über 80 Radiostationen weltweit übertragen. In Sachen eigenem Output listet seine Diskografie Labels wie Tronic, Terminal M, Filth On Acid und mehr auf. Die vergangenen Monate nutzte Kröcher dazu, über seine persönliche Verbindung zur Nacht zu sinnieren. Das Resultat ist seine Plattform „WE ARE THE NIGHT“, eine Plattform, die neben einem eigenen Label auch eine Podcast-Reihe präsentieren wird, wo er u.a. DJ-Kollegen, Promoter, Veranstalter und bekannte Persönlichkeiten aus der Szene zu Gast hat. Nach „Passion“ im Juli ist im August mit „Vision“ seine neueste Single erschienen. Diese symbolisiert seine Vision, die er künftig für die Nacht hat. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

Felix, ich hoffe dir und der Family geht’s gut?

Hallo zusammen, vielen Dank erst einmal für das Interview! Es freut mich, mit euch zu sprechen. Meiner Familie und mir geht es gut und wir sind alle gesund und munter. Das ist aktuell, denke ich, die Hauptsache!

Eineinhalb Jahre steht die Szene mittlerweile „still“. Wie ist es dir ergangen in der Zeit – sowohl privat als auch beruflich?

Ich glaube, mir wird jeder zustimmen, dass niemand mit einer solchen Situation gerechnet hätte. Für mich – und ich denke, da spreche ich ein wenig für unsere ganze Branche – war es eine der größten Umstellungen, mit denen ich je umgehen musste. Gerade mit Beginn der Pandemie im März war es doch eine sehr beanspruchende, fordernde und zugleich auch extrem emotionale Phase. Der Wechsel von knapp 130 Auftritten im Jahr zu einem kompletten Stillstand der Veranstaltungsbranche war definitiv nicht leicht, brachte aber auch seine schönen Seiten mit sich. Besonders die Entschleunigung am Wochenende und die Zeit, die ich mit meiner Tochter verbringen konnte, hat mir persönlich sehr viel gebracht. Ich bin ja mittlerweile seit 20 Jahren quasi jedes Wochenende unterwegs. Das war also für mich und meine Tochter zu Beginn ziemlich aufregend, in einer positiven Art und Weise!

In der Tat war diese Zeit für viele Fluch und Segen zugleich …

Dem kann ich nur zustimmen, ja. Die größte Herausforderung war definitiv die Veränderung meines Lebensrhythmus, meines Alltages und meines Berufslebens. Zuvor habe ich jegliche Kreativität und Energie in meine Auftritte gesteckt, und somit musste ich erst einmal schauen, wie ich diese in neue Projekte und Aufgaben investieren kann. Ich habe die Zeit genutzt, um mich auf meine Musik zu konzentrieren: Die Kuration von Tracks für meine Radioshow, die Weiterentwicklung meiner eigenen Produktionen, als auch die Weiterentwicklung meines eigenen Podcast „WE ARE THE NIGHT“ zusammen mit Sunshine Live standen dabei im Vordergrund. Das hat mir eine Menge Inhalt und Spaß im Alltag gegeben und ich habe so einen anderen, neuartigen Zugang zu meiner Kreativität gefunden. Gerade in meinem Podcast, in dem ich mit Manager*innen, Promoter*innen, DJ Kollegen*innen, Veranstaltern*innen über unsere Erfahrungen im Nachtleben spreche, habe ich das besonders gemerkt. Dort versuche ich, einen Einblick darüber zu geben, was hinter der Bühne alles passiert. Oft steht der Künstler*in sehr im Mittelpunkt, ich will aber die Macher*innen der Nacht in den Mittelpunkt stellen. Das hat mir sehr dabei geholfen, die fehlende Nähe und Interaktion zur Nacht auf eine andere Art und Weise wiederzukriegen. Eine persönliche Herausforderung, aber zugleich auch eine positive Veränderung.

Im April hast du deine Single „I Am The Night“ veröffentlicht – der Titel könnte als eine Art Konklusion einer vorhergehenden Selbstreflexion gedeutet werden.

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Besonders in den letzten Monaten habe ich mir sehr häufig die Frage gestellt: „Was macht die Nacht aus?“, „Was bedeutet die Nacht für mich?“. Gerade in Zeiten, in denen das Nachtleben komplett fehlte, haben diese Fragen einen ganz neuen Charakter bekommen. Besonders bewusst geworden ist mir dabei, dass die Nacht das ist, was mein Leben ausmacht – „I Am The Night – „We Are The Night“.

Welche Magie macht für dich persönlich die Nacht aus?

Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass es für mich schon als kleiner Junge schwierig war, pünktlich in mein Bett zu springen und ich glaube, das hat sich bis heute nicht verändert. Die Nacht ist für mich einfach der Ort, wo ich meine Ideen und meine Kreativität umsetzen und ausleben kann. Alles scheint möglich und es gelten andere Gesetze als am Tag, so fühlt es sich zumindest an. Das ist magisch für mich! Hinter dem Pult zu stehen, Musik zu spielen und die fröhlichen Gesichter meiner Fans zu sehen, ist einfach etwas ganz Besonderes, wofür ich sehr dankbar bin. Das Gefühl hat sich in den 20 Jahren nie verändert.

Wie hat sich der Podcast seit Start für dich entwickelt und wie ist es für dich, länger und daher auch tiefgründer als sonst im Radio ins Mikro zu sprechen?

Es ist auf jeden Fall eine neue, aufregende Erfahrung für mich, keine Frage. Ich wollte schon seit einer langen Zeit einen Podcast über das Nachtleben produzieren. Zur Aufgabe habe ich es mir in diesem Podcast gemacht, meinen Hörern*innen die vielen Facetten des Nachtlebens nahezulegen und sie so an meinen persönlichen Erfahrungen und Geschichten teilhaben zu lassen, die ich in den vielen Jahren mit vielen großartigen Weggefährt*innen sammeln durfte. Ich freue mich riesig, dass die ersten Folgen nun endlich draußen sind. Die Moderation aus dem Radio bin ich ja schon gewohnt, aber so intensive und interessante Gespräche zu führen, ist eine echte Freude! Hört gerne mal rein und schreibt mir Euer Feedback (lacht). Die ersten Gäste waren bzw. werden unter anderem sein: Bernd Dicks vom Parookaville, Oliver Vordemvenne von NatureOne, Karotte, Basti Kunz vom Exit:Maschinenhaus, Sidney Späth, DJ und Macher des Freud Club und viele mehr!

Lass uns über das gleichnamige Label sprechen. Was ist die Philosophie und was genau hast du dort in den nächsten Monaten geplant?

Die Idee, ein eigenes Label zu gründen, kam im Zuge der Gedanken, rundum die Single „I Am The Night“ und dem Podcast „We Are The Night“. Ich wollte meine eigene Plattform schaffen, auf der ich unabhängig meine Produktionen veröffentlichen kann. Musikalisch steht „We Are The Night“ für einen bunten Mix aus Techno in all seinen Facetten, die ich auch live spiele.

Viele Akteur*innen haben sich in den letzten Monaten ein stückweit von der Musik entfernt, u.a. weil es einfach keine Shows gab. Durch deine Radiosendung, die du schon seit so vielen Jahren hostest, bist du aber stets am Puls der Zeit geblieben. Wie, würdest du sagen, hat sich die Sendung in den letzten Monaten entwickelt?

Die Sendung war gerade in den letzten Monaten ein sehr wichtiges Medium für mich, da ich meinen Fans immer noch neue Musik mit auf den Weg geben konnte. Die Sendung an sich ist jedoch relativ gleichgeblieben. Ich lasse dort die Musik sprechen, sie steht für mich absolut im Vordergrund. Woche für Woche ist es eine riesige Freude für mich, neue Musik zu präsentieren. Gerade in der Pandemie war das natürlich nochmal ein wichtigerer Zugang zu meinen Hörer*innen!

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Generell sind Streams, Podcasts und Co. zu einer äußerst beliebten Alternative avanciert, trotz der aktuellen physischen Distanz mit den Fans im Kontakt zu bleiben. Wie wichtig war diese Tatsache für dich?

Für mich war dies ohne Zweifel die wichtigste Aufgabe der gesamten Pandemie, die Nähe zu meinen Fans nicht zu verlieren. Ich denke, hier kann ich für viele Künstler*innen sprechen. Durch Livestreaming habe ich an besonderen Orten spielen dürfen. Natürlich werden diese Streams-Liveshows nie ersetzen können, es war jedoch eine perfekte Alternative für diese Zeit, das stimmt schon! Ein ganz besonderes Highlight war ein Livestream auf einem Gletscher in der Schweiz. Das sind Erlebnisse und Erfahrungen, die man so ohne die Pandemie einfach nicht gehabt hätte.

Im Juli ist mit „Passion“ eine weitere Single erschienen, eine klassische, aber auch treibende Hommage an deine Leidenschaft. Erzähle uns mehr zur Entstehung.

Wie der Name schon sagt, steht bei dieser Single ganz besonders meine Passion und die Leidenschaft zur Nacht im Vordergrund, welche mich seit vielen Jahren mit ihr verbindet. Die klassischen musikalischen Elemente wie das Piano-Riff, aber auch der treibende Beat spiegeln meine Leidenschaft zum Techno in all seinen Facetten wider. Meiner Meinung nach ein absoluter Sommer-Track, der sowohl zu Hause als auch im Club oder auf einem Open-Air super funktioniert.

Generell bist du seit 2020 sehr aktiv im Studio, jetzt im August stand mit „Vision“ bereits die nächste Single an.

„Vision“ spiegelt tatsächlich meine zukünftige Vorstellung der Nacht wider. Ich sehne mich sehr danach, mit meinen Fans und Hörer*innen erneut auf der Tanzfläche zu stehen. Das Gefühl und die Sehnsucht nach Gemeinschaft lassen sich in der Single definitiv wiederfinden. Es ist mal wieder eine typische „Felix Kröcher – Club Single“, getrieben von energetischen Drums und Synth Lines. Ich freue mich schon sehr darauf, die Nummer hoffentlich live für euch spielen zu dürfen.

Die Welt kommt langsam, aber sicher zu einer „neuen Normalität“. Du hast in deiner Karriere schon unzählige Trends und Hypes kommen und gehen sehen. Welche Chancen und Möglichkeiten hat die Szene deiner Meinung nach, jetzt, wo es langsam wieder los geht?

Die Branche hat viel mitgemacht und wir alle freuen uns darauf, dass es endlich wieder losgeht. Jedoch versuche ich etwaige Lockerungen immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Trotzdem freue ich mich natürlich riesig, dass es, wie ihr schon richtig sagt, in Richtung einer „neuen Normalität“ geht. Jetzt gerade ist es wichtig, dass wir als Szene zusammenhalten und auch der breiten Masse und den Entscheidungsträgern bewusst machen, welche sozio-kulturelle Rolle diese Branche für die Gesellschaft hat. Diese wichtige Bedeutung wurde in meinen Augen nicht immer so aufgefasst in den vergangenen 18 Monaten. Dabei sind es die Veranstalter*innen, die seit Jahren organisierte Zusammentreffen auf die Beine stellen. Es wäre toll, wenn der Branche in Zukunft mehr öffentliche Bedeutung und Relevanz zugesprochen würden.

Was steht auf deiner Agenda für die nächsten Wochen und Monate – sowohl privat als auch Musik- und Tour-technisch.

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Es sind viele Anfragen in Bearbeitung und ich freue mich riesig darauf, endlich wieder mit euch zu feiern und Musik zu zelebrieren. Trotzdem ist es weiterhin spannend, da immer wieder, auch auf Bundesebene, neue Regelungen in Kraft treten und man nicht wirklich weiß, inwieweit Events in vier oder sechs Wochen wirklich stattfinden. Musikalisch freue ich mich riesig darauf, weiterhin viele Releases zu veröffentlichen und mich in meinem Podcast mit ganz vielen und interessanten Persönlichkeiten aus dem Nacht- und Eventleben zu unterhalten.

Aus dem FAZEmag 115/09.21
Text: Triple P
Credit: Yannik Specht
www.felixkroecher.com

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